Skip to content

Vorschule und andere Herausforderungen

13. Oktober 2016

Seit die Sommerferien beendet sind ist mein großer Sohn nun offiziell ein Vorschulkind. Oder wie es bei uns im Kindergarten heisst, ein ABC Monster. Ich mag die Bezeichnung und der Große fiebert nun schon seit einem Jahr auf diese Zeit hin. Denn dann gehört man nicht nur zu den Größeren dann ist man der Große! Zuhause bei uns ist er das ja schon. Im Kindergarten ist das was Besonderes. Da hat man eine Vorbildfunktion, darf andere, neu Aufgaben übernehmen.

 

 

Alle zwei Wochen gehen alle ABC Monster mit Rucksack, Federtasche und Sportsachen in die Schule. Dort bekommen sie im Unterricht beigebracht, was im nächsten Jahr auf sie zukommen wird. Sie sollen lernen sich zu melden wenn sie etwas sagen wollen anstatt einfach in den Raum zu rufen. Lernen, ihre Übereifer und ihre Vorfreude in den Griff zu bekommen.

Ich mag diese neue, aufregende Zeit. Für ihn .ist es anders aufregend als für mich. Als Mutter möchte man nur das Beste für sein Kind. Immer! Tief im inneren weiss ich dass er das mit Sicherheit ganz großartig meistern wird und trotz dem ist da die Angst, dass ich das alles nicht meistern kann. Ihn nicht genug unterstütze. Eigentlich ist das vollkommener Blödsinn.

Letzte Woche war ich mit vielen anderen Elternteilen in der Schule zu einem Infoabend. Dort wurde uns von 3 verschieden Lehrern die Schule, das System, der Unterricht erklärt und in einem Schreiben nahegelegt, wie wir unser zukünftiges Schulkind am besten fördern können, damit es einen möglichst leichten Start hat.

Anfänglich fand ich das alles sehr interessant. Irgendwann dachte ich dann, was mein Kind denn bitte in der Einführungsklasse (bei uns haben die erste und zweite Klassen gemeinsamen Unterricht) lernen soll, wenn es vorher schon 1000 Sachen können „sollte“ damit er es einfacher hat.

Feinmotorik

  • einen Bleistift mit dem Dreipunktegriff halten können – klar, das lernt er jetzt in der Vorschule und wird er dann beherrschen. Dafür sollten wir einen Schreiblernbleistift kaufen.
  • geometrische Figuren zeichnen können – oha, erkennen ok aber zeichnen, das war mir nicht klar aber auch etwas, was in der Vorschule geübt wird.
  • einfache Schriftzeichen nachmalen können (z.B Buchstaben des Namen)
  • mit der Schere auf einer Linie schneiden können 
  • Kleber benutzen können
  • Knöpfe, Schnallen, Verschlüsse öffnen und schliessen können

Grobmotorik

  • einen Ball werfen oder fangen können
  • eine Treppe im Wechselschritt gehen können
  • 5 Sekunden auf einem Bein stehen und fünfmal auf einem Bein hüpfen können
  • 20 Minuten zu Fuß gehen können ( mind. das Doppelte des Schulwegs) *lach*

Um das zu fördern wurde uns nahegelegt, Zeit und Gelegenheiten dafür einzuplanen UND Fernseh-und Computerkonsum auf 30 Minuten einzuschränken. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich hier nicht verstehe was das eine mit dem anderen zu tun hat. Mir ist bewusst dass ich mein Kind nicht den ganzen Tag vor den Fernseher parken sollte und ich kann euch sagen, dass meine Kinder den Sommer mehr draussen und ohne TV und iPad verbracht haben als in der Wohnung. Das taten sie auch mehr als freiwillig und mit großem Aufstand wenn sie rein kommen sollten. Und dennoch ist mein Sohn der Erste der am rumzicken und knatschen ist, wenn er mal ein Stück zu Fuss gehen soll. Er tut das halt nicht gerne! Was ja nicht bedeutet dass er es nicht kann.

Kognitive Kompetenzen (Gegenstände sortieren, in Kategorien einteilen, vergleichen & verstehen)

  • Gegenstände vergleichen können (größer, kleiner, heller, dunkler….)
  • Gegenstände nach Eigenschaften sortieren können (Größe, Länge, Farbe usw.)
  • vorwärts UND rückwärts bis 10 zählen können – am besten schon bis 100 und das kleine 1×1! Ok, vielleicht übertreibe ich ein bisschen. Aber hey, die Kids sind 6 wenn sie in die Schule kommen. Zählen bis 10 und weiter finde ich auch total in Ordnung aber warum MUSS es schon rückwärts zählen können?! Weil ich neugierig war, fragte ich den Großen ob er es kann…..er konnte. Dennoch finde ich es als „Erleichterung für den Alltag in der Grundschule“ total übertrieben.
  • die Symbole für die Zahlen können
  • die Zahlen bis 6 auf einen Blick erfassen können (Würfel)
  • Richtungsangaben kennen (oben-unten, vorwärts-rückwärts, links-rechts) ABER man soll das Kind NIE ABFRAGEN
  • sich konzentrieren können, so dass es: – die Stimme der Mutter (später Lehrerin) aus einem Stimmengewirr heraushören kann – 3 kurze Aufträge behalten kann und hintereinander ausführen kann 

Sprachliche Fähigkeiten

  • die Bedeutung der Präpositionen kennen (vor, neben, dahinter, danach…)
  • Vergleichsformen bilden können ( groß, größer, am größten…)
  • über Geschehnisse erzählen können
  • eigene Gedanken und Wünsche formulieren können
  • Gegenstände aus dem Alltag benennen können und wissen, was sie bedeuten
  • Sätze bilden können, die aus mehr als drei Wörtern bestehen – hier musste ich wirklich laut lachen. Hier soll mein Kind etwas für die Schule beherrschen, was die wenigsten Erwachsen können! (Aber dazu mehr in einem anderen Beitrag ;-))

Soziale Fähigkeiten

  • andere Personen und deren Eigentum achten
  • sich von Eltern trennen können
  • Regeln merken und einhalten können
  • Konsequenzen akzeptieren können, wenn Regeln überschritten wurden  
  • abwarten können, sich zurückhalten können
  • kleine Konflikte selber lösen können

Selbständigkeit

  • sich alleine anziehen können
  • den eigenen Namen, Telefonnummer, Adresse & Geburtstag kennen – Name und Adresse evtl. Geburtstag, ok aber der Telefonnummer finde ich schon wieder etwas übertrieben. Soll ich meinem Sohn zumuten meine oder Papas Handnummer zu lernen?! Nicht jeder hat heutzutage eine Festnetznummer. Und wie hilft das ihm alles im ersten Grundschuljahr? Sollte es da nicht reichen dass er sagen kann wer er ist?
  • wichtige Verkehrsregeln kennen 
  • auf die eigenen Materialien achten und damit umgehen können 
  • sein Zimmer unter Anleitung aufräumen können – Können wahrscheinlich schon, das aber auch wollen, das ist wohl das Problem

Zum Schluss wird dann noch einmal erwähnt, wenn sein Kind einige der beschriebenen Dinge nicht kann, so ist das kein Zeichen von Schul-un-fähigkeit oder Schul-un-reife. Es erleichtert dem Kind nur den Schulstart. Jedes Kind ist anders und hat besondere Fähigkeiten. Allerdings kann das Wissen darum, was das Kind noch nicht oder nicht so gut kann benutzt werden, diese Dinge in den folgenden Monaten zu üben.

Genau diesen Satz finde ich total überflüssig. Mich nervte eh schon immer dieser Kinder-Vergleich. „Kann dein Kind schon xy? Nein?! Hast du das schon mal untersuchen lassen?“ Klar sind das gut gemeinte Tipps von der Schule aber ich kann mir auch vorstellen dass sich ein paar Eltern davon unter Druck gesetzt fühlen. Schliesslich wollen wir alle dass unser Kind einen leichten Start in den Schulalltag im nächsten Sommer hat. Das Wichtigste ist aber, die Neugierde und Freude am Lernen zu bewahren und zu fördern. 

Sollten wir unseren Kindern nicht vertrauen dass sie alles, was sie lernen und können sollten zum richtigen Zeitpunkt können und lernen werden? Wenn ich aber im Hinterkopf habe, XY kann mein Sohn nicht, mach ich mir wieder unbewusst Druck und setzte wiederum mein Kind unter Druck.

Hierbei spreche ich jetzt nicht von mir selber. Dennoch kann ich mir in unserer heutigen Gesellschaft, wo jeder Versucht überall mithalten zu können oder sogar besser zu sein, gut vorstellen dass das in den eigene vier Wänden sich so abspielt.

Wie wir das machen? Ich lasse meinem Sohn die Vorfreude und Freude an der Vorschule. Wenn er wieder Hausaufgaben spielen möchte, dann gebe ich ihm die Vorschulhefte die man ab und an in diversen Discountern erwerben kann. Wörter abschreiben, das macht B. schon lange. Seinen Namen schreibt er oft richtig, manchmal Spiegelverkehrt. Alle andere Dinge wie z.B. Links und Rechts, die fliessen ganz normal in den Alltag ein. Nach dem Elternabend ertappte ich  mich am nächsten Tag dabei meinen Großen dabei zu beobachten, wie er die Treppe rauf und runter läuft. Und genau DAS möchte ich nicht.

Auch ich möchte Spaß dabei haben ihn in seinem letzten Kindergartenjahr zu begleiten. Ihn in seiner Vorbereitung auf eine neue und aufregende Zeit begleiten und unterstützen ohne immer im Hinterkopf zu haben, was er alles können sollte.

Er findet schon seinen Weg, in seinem Tempo. Das hat er immer schon so gemacht.

 

 

 

 

 

Advertisements

From → Alltag

One Comment
  1. Oha, meine 5-Jährige ist jetzt auch ein Vorschulkind, so eine Liste habe ich (noch) nicht bekommen. Die Telefon-Nummer auswendig können finde ich schon ganz schön krass. Zumal ich mir selbst meine Handynummer zeitweise nicht merken kann _P Ich würde mir auch nicht zu viel Druck machen.Der Spass bleibt dabei auf der Strecke. Wobei es natürlich auch ein krasser Schnitt ist von „den ganzen Tag spielen“ zu „Vormittags lernen und Nachmittags Hausaufgaben“, vielleicht ist es schon nicht verkehrt an ein paar Tagen in der Woche dieses „Hinsetzen und Aufgaben machen“ an Hand von Vorschulheften zu üben, damit es eine langsamer Übergang ist.

    Liebe Grüße
    Ella

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: