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Majoranbutter – empfehlenswertes Hausmittel oder obsolet

14. März 2016

Zu dieser Jahreszeit häuft sich wieder die Anfrage nach Majoranbutter bei uns in der Apotheke. Gerne auf Wunsch von Müttern mit Säuglingen oder Kleinkindern die diese empfohlen bekommen haben. Denn bei Schnupfnasen unserer Schützlinge möchte man ja nicht gleich mit Nasentropfen/-spray oder anderen scharfen Dingen ran.

Majoranbutter für Säuglinge wurde und wird als altes Hausmittel zur Linderung von Schnupfen bei Säuglingen/Kleinkindern eingesetzt. Daten, die diesen Einsatz wissenschaftlich belegen, findet man nicht. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und vergleiche es mit homöopathischen Mitteln wie Globuli. Sie werden in Apotheken vertrieben, empfohlen, gewünscht. Einen wirklichen wissenschaftlichen oder medizinischen Beweis ihrer Wirkung gibt es allerdings nicht. Eine Studie nach der anderen wird veröffentlicht, die Presse schreibt immer wieder über den Placebo Effekt der kleinen Zuckerkügelchen. Und trotz dem werden sie aus Überzeugung eingenommen und weiterempfohlen.

Nur während homöopathische Mittel keine Wirkung als schlimmstes Übel haben mit dem man rechnen muss, so kann Majoranbutter durchaus schlimmere Reaktionen hervorrufen.

Die Apothekerkammer Berlin hat dazu bereits vor fünfzehn Jahren folgendes geschrieben (Quelle: Rundschreiben Apothekerkammer Berlin 1/2001, Seite 20)

Majorankraut und -öl wurden von der Kommission E (Phyto-Therapie) negativ bewertet. Beide Drogen (so bezeichnet man in der Pharmazie pflanzliche Bestandteile) werden bei Schnupfen und Erkältungskrankheiten und bei Verdauungsbeschwerden angewendet. Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist allerdings nicht belegt.

Majorankraut (Herba majoranae) enthält unter anderem Phenole und Phenolglykoside als Arbutin und Hydrochinon in niedriger Konzentration. Die Cancerogenität (Krebserregend) von Arbutin und Hydrochinon im Tierversuch ist bewiesen. Die topische Applikation führt zur Depigmentierung der Haut und ist daher nicht für einen längeren Gebrauch geeignet. Berichte über entsprechende Nebenwirkungen von majoranhaltigen Salben liegen in beiden Fällen nicht vor. Angesichts der nicht ausreichend geklärten Risiken sollte die Anwendung von Majoranbutter bei Säuglingen und Kleinkindern nicht erfolgen.

Es gibt mit Sicherheit bessere Alternativen zur Majoranbutter. Der Nasenbalsam von Wala zum Beispiel. Der ist frei von ätherischen Ölen, denn die sollten bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewandt werden. Oder auch einfache iostonische Kochsalzlösung.

Pflanzlich oder alte Hausmittel sind also nicht immer die beste Empfehlung. Was nicht heissen soll dass es da nicht durchaus wirksame Mittel gibt, die sich über lange Zeit bewährte haben. Aber gerade mit ätherischen Ölen sollte man bei kleinen Kindern aufpassen und es evtl. an einer kleinen Hautstelle zu testen. Man darf sich da gerne einmal in der Apotheke oder beim Arzt beraten lassen, was denn das beste und mildeste aber trotz dem wirksamste Mittel für sein Kind ist.

 

 

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From → Alltag

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