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Lieber Apothekenkunde, was möchtest du eigentlich?

15. Juli 2015

Heute schreibe ich mal was aus meinem Berufsleben. Ich bin seit 2002 staatlich geprüfte Pharmazeutisch-technische- Assistentin. Kurz PTA. Die rechte Hand des Apothekers. Bevor ich in der Apotheke arbeiten durfte, musste ich zwei Jahre eine schulische Ausbildung absolvieren und nach den ersten Prüfungen ein halbes Jahr Praktikum in der Apotheke machen. Danach gab es dann noch mal eine kleine Prüfung und schon hielt ich mein Urkunde in der Hand.

Ob es schon immer mein Berufswunsch war in der Apotheke zu arbeiten? Nein. Aber nach meinem Schulpraktikum bekam ich in die vielseitige Arbeit als PTA einen guten Einblick und somit stand die Berufswahl fest. Ich fand es toll den Patienten beraten zu dürfen, vielleicht noch den ein oder anderen Extratipp weiterzugeben und das Gefühl zu haben, helfen zu dürfen. Auch dass ich unter anderem Salben und Zäpfchen mischen durfte, fand ich an diesen Beruf so klasse.

Der Alltag zeigte mir aber schnell, dass nicht immer alle Friede, Freude, Eierkuchen ist. Problem eins bei mir war, dass ich immer jünger aussah, vielleicht auch noch aussehe, als ich bin. Ich war weit über 20 und musste noch oft den Ausweis an der Kasse zeigen, wenn ich etwas z.B. etwas alkoholisches kaufte. Gut, mittlerweile habe ich mit 33 Jahren das Problem nicht mehr aber wenn du in der Anfangszeit in den HV ( Handverkauf, das ist der „Tresen“ in der Apotheke) kommst, den Kunden freundlich begrüsst und der dich erst einmal mustert um dann zu fragen: “ Ist kein Apotheker da?“ Das hat was von Sind deine Eltern nicht zu Hause?

Was ich schnell gelernt habe ist, dass der Kunde/Patient immer Recht hat. Im Zweifel auch aus der zweiten Reihe! Du führst gerade ein Beratungsgespräch, der Patient dahinter scheint etwas aufzuschnappen um dann mit „Neeeneee, das habe ich auch. Da müssen Sie mal XY nehmen, dass ist viel besser als das, was die Dame ihnen gesagt hat!“ Und dann stehst du da und guckst nur doof, denn dein Kunde will auch dann genau das und nicht mehr deine Empfehlung. Denn der andere hat das ja GENAU SO und ich bin ja NUR das Fachpersonal. Da lobe ich mir die großen Apotheken und die Abstandhalter. In kleinen Apotheken geht das nicht.

Herrlich sind auch die Kunden, die einem sagen, dass ich das Insulin aus dem Kühlschrank holen muss oder das Blutdruckmittel in der zweiten Reihe und der dritten Schublade von unten ist. Was würde ich nur ohne diese Menschen machen?

Freundlich sind auch immer die, die nach 2 Sekunden schon sagen: “ Haben sie mal wieder nicht da oder? Kenn ich ja.“ Warum   das Apothekenpersonal manchmal etwas angestrengt aufs Rezept starrt und erst einmal gefühlt tausend Dinge in den Computer tippt anstatt einfach an die Schublade zu gehen? Ganz einfach: das liegt an den Rabattverträgen der einzelnen Krankenkasse. Jede Krankenkasse, und davon gibt es viele in Deutschland, hat ihre eigenen Verträge mit bestimmten Pharmakonzernen, dessen Medikament sie bezahlen. Das ist dann aber auch wieder von Wirkstoff zu Wirkstoff verschieden und kann im nächsten Monat schon wieder anders sein. Zu kompliziert? Genau deshalb stehen wir so angestrengt vor dem Computer und geben jedes verordnete Medikament ein um zu erfahren, welches denn nun bezahlt wird. Und genau aus diesem Grund kann man auch nicht alles da haben.

Und dann gibt es da meinen Lieblingskunden. Den „Haben sie die Rundschau da?“-Kunden. Wobei man oft gar nicht vom Kunden reden kann denn dieser möchte oft nur die für ihn kostenlosen Gesundheits-Zeitschrift. Beworben im TV mit den der deutlichen Aufforderung Holen sie sich die Umschau in Ihrer Apotheke kommen die Damen und Herren sehr zielstrebig in die Apotheke. Die Apotheke bezahlt die Rentner-Bravo gerne für ihren Kunden. Auf Anfrage reiche ich die Zeitschrift mit einem Lächeln über den HV um dann sekundenspäter die Frage zu hören: “ Da ist ja gar kein Rätselextra drin?!“ oder “ Ist bei ihnen keine Fernsehzeitung mit in der Umschau?“ Nein, wir haben die ganz klassische Ausgabe ohne irgendwelche Extras für UNSERE Kunden abonniert. – Oft bekomme ich sie dann mit einem vorwurfsvollen Blick wieder in die Hand gedrückt.

Versteht mich nicht falsch, es gibt auch wirklich tolle und sehr dankbare Kunden und dafür liebe ich meinen Beruf. Was mich nur nervt sind unter anderem diese negativen Gerüchte über Apotheken. Beraten nicht, wollen nur Geld verdienen, verkaufen nur Medikamente die nichts bringen usw. Aber verlangt wird dann doch eine Menge und man hat das Gefühl, man kann es oft dem Patienten nicht recht machen. Die falsche Umschau, die falsche Probe oder vielleicht gar keine Probe. „Puhh, dass sind ja wirklich Apothekenpreise hier. Da schaue ich dann doch mal im Internet.“ Aber lieber Patient, wer steht denn Nachts im Notdienst für Sie auf um ihnen ein Nasenspray durch die Klappe zu reichen? Oder berät sie wenn sie gerade akut etwas haben? Na klar, ich bestelle auch ab und an was im Internet aber wenn ich Fachpersonal brauche, dann zahle ich auch mal einen Euro mehr.

Oder die Urlauber die ein Medikament vergessen haben. Was in erster Linie nicht schlimm ist, denn meist bieten wir mehr als einen Lösungsweg. Dennoch ist das alles zu lästig und es wird von einem VERLANGT, die Gesetze zu missachten und das Medikament, was DER PATIENT VERGESSEN HAT, ohne Rezept auszuhändigen. Wenn du dich weigerst, dann bekommt man die Worte zu hören: “ Und wenn ich jetzt tot umfalle, dann sind sie das schuld!“ Ach ja? Bin ich das? Ist ja nicht so dass wir ihm nicht helfen wollen aber die 3 Wege an das Medikament zu kommen, zu anstrengend sind.

Warum ich überhaupt diesen Artikel verfasse ist der folgende Grund. Oft wird ja in den Medien bemängelt, dass Apotheken nicht beraten. Ich finde das aber sehr wichtig, denn damit ein Mittel wirken kann und Missbrauch vorgebeugt wird, werden immer die wichtigsten Sachen erwähnt. Wie z.B. beim Nasenspray. Selbst wenn ich weiss, dass ich jemanden vor mir stehen habe der es einmal in der Woche kauft sage ich dabei: “ Bitte nicht länger als 5-7 Tage anwenden.“ Heute war eine Kundin in der Apotheke. Eine Urlauberin. Sie kaufte ein Kopfschmerzmittel einer bekannten Marke. Ich sagte dann: „Nicht länger als 3 Tage am Stück und häufiger als an 10 Tagen im Monat.“ Als Antwort bekam ich dann: “ Danke, dass weiss ich. Ich bin Krankenschwester.“ Um so besser sagte ich dann zu ihr und damit war die Sache für mich erledigt. Meine Kollegin war kurz nebenan im Geschäft. Dort kam auch eben genannte Kundin rein um sich dann bei ihrer Freundin zu beschweren. “ Da kostet das Medikament 1€ mehr als bei uns. Wohl der Inselzuschlag! Und dann sagt die auch noch zu mir dass ich es nicht öfter als an 10 Tagen im Monat nehmen soll. Als ob ich das nicht wüsste!“

Was soll man dazu sagen? Ich sehen einem Patienten nicht an ob er auch vom Fach ist. Ich mache meinen Job und da gehört die Beratung definitiv für JEDEN kostenlos dazu. Mir sagte auch mal jemand „Ist das jetzt so ne neue Sache in der Apotheke das man immer was dazu sagt?!“ Einerseits wird es bemängelt und doch scheint es ja nur nervig und unerwünscht zu sein.

Ich persönlich finde die Kritik an den Apotheken damit oft nicht gerechtfertigt, denn viele Kunden sind beratungsresistent. Ich kenne keinen anderen Berufsstand von dem so viel erwartet wird und dem es so wenig gedankt wird. Klar, schwarze Schafe gibt es überall aber die meisten geben ihr bestes.

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Apotheke in Venlo/Holland

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From → Alltag

One Comment
  1. Wie du’s machst, machst du es falsch. Ich finde es schön, dass du deinen Beruf so magst.

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