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„Wenn Eltern ihre Kinder krank in die Kita bringen“

3. März 2015

So lautet die Überschrift eines Artikels der Augsburger Allgemeine vom 02.März 2015.

Dr. Detlef Grunert ist stinksauer. Eine Frechheit sei das, was manche Eltern tun, rücksichtslos und unverantwortlich, schimpft der Kinderarzt. Was den Nördlinger so ärgert? Immer mehr Eltern bringen seiner Meinung nach ihre kranken Kinder in die Kitas.
„Die rufen dann morgens bei uns in der Praxis an und sagen, ihr Kind habe hohes Fieber.“ Wenn die Arzthelferin dann antworte, ob Mama oder Papa samt Kind nicht vorbeikommen wolle, bekomme sie folgende Antwort: „Das geht nicht, das Kind ist gerade in der Kita.“

Seiner Meinung nach habe sich die Situation verschlimmert, seit es die Kitas gebe. Als ich das gelesen habe, musste ich etwas hysterisch lachen. Denn meiner Meinung nach gibt es Kitas, weil es heutzutage der Arbeitsmarkt für die meisten Eltern nicht anders zulässt. Und der Grund, warum manche Eltern so verzweifelt sind und ihr Kind sogar mit Fieber in die Kita bringen sind oft die Arbeitgeber. Das man heutzutage als Mutter mit einem oder mehreren Kindern einen Job hat, kann man froh sein. Ich denke schon, dass eine Frau, in einer Partnerschaft lebend oder alleinerziehend, mit Kindern immer einen Stempel aufgedrückt bekommt. Klar, man hat ja noch 10 zusätzliche Urlaubstage, die die Krankenkasse bezahlt, aber wenn man bedenkt, dass ca. 8 Infekte im Jahr normal sind, dann ist das nicht gerade viel Entlastung. Geschweige denn das der Arbeitgeber oft kein Verständnis für die Situation hat. Vor allem wenn es vielleicht schon der 5. Infekt in einem halben Jahr ist. Wenn man zu zweit zu Hause ist, kann man sich das noch aufteilen aber wie verzweifelt muss da erst als Alleinerziehende Person sein? Ich persönlich habe meine Kinder noch nie mit Fieber in die Kita gebracht aber ich kann mich gut in die Eltern hineinversetzen die es aus Verzweiflung machen. Wir haben keine Familie hier oben, die mal kurzfristig einspringen könnte. Das hat mal eine Freundin für mich gemacht (auch wenn es schon länger her ist, danke dafür), weil mein Mann eine wichtige Sitzung hatte und bei mir auf der Arbeit die hälfte der Belegschaft krank oder im Urlaub war. Das kann in einem kleinen Betrieb schnell passieren. Und so wie ich verzweifelt meine Freundin angerufen habe, bringen andere ihre Kinder in die Kita. Das die eigenen Kinder dann auch die Übrigen im Rudel anstecken, darüber denkt man dann nicht mehr nach. Auch dass die Erzieher keine Medikamente geben dürfen, wissen und bedenken viele nicht.

Das es Kitas gibt, dafür bin ich dankbar. Meine kleine Tochter muss auch mit nur einem Jahr in die Kita, weil ich aus finanziellen Gründen kein zweites Jahr zu Hause bleiben kann. Sie fühlt sich wohl und macht das toll. Das macht mir den Arbeitsalltag einfacher. Deshalb sollte man die Kitas nicht verurteilen oder irgendwelche Schuld zuweisen. Und erst recht nicht den Eltern, die ihre Kinder dort hinbringen. Denn die sind dankbar, dass man sich so gut um ihre Kinder kümmert, während sie versuchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen um ihren Kindern damit etwas zu ermöglichen.

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From → Alltag

7 Kommentare
  1. An sich hast Du vollkommen recht. Aber diese verschiedenen Punkte gehen so weit auseinander. Jeder Punkt hat Recht und hier müsste man an der Wurzel arbeiten.
    Mehr Akzeptanz aus der Arbeitswelt, dann würden einige Eltern sich auch trauen zu Hause zu bleiben. Meine Motte ist im KiGa und ich arbeite. Sollte zu krank sein, dann bleibt sie zu Hause – aber ich arbeite dann trotzdem. Meist nachts, denn hier gibt es keine Kollegin die mich vertreten kann (auch wenn ich krank bin). Das ist dann hart – aber ich würde niemals auf die Idee kommen sie trotzdem in den KiGa zu schicken – doch mein Chef ist mein Mann und wenn der kein Verständnis haben sollte, dann bekommt er eben kein Abendessen. So einfach ist das in einen anderem Angestelltenverhältnis leider nicht…..
    Schwierige Positionen in alle Richtungen – und alle Ecken haben einen Ticken Verständnis verdient…

    Liebste Grüße
    JesSi Ca

    • Sonnenscheinbaby permalink

      Ja, ich denke auch dass da an vielen Punkten gearbeitet werden muss. Gerade in der Arbeitswelt.

  2. Es ist wirklich ein Dilemma. Einerseits finde ich es furchtbar, wenn Eltern ihren fiebernden Kindern morgens schnell ein Zäpfchen reinschieben, damit das Fieber runter geht und sie in die Kita kümmern. Nach dem Motto „Wird schon die fünf Stunden gut gehen“. Denn dann sind meine Kinder die nächsten ,die angesteckt werden…Aber es ist einfach auch ein Problem, wenn die Kinder ständig krank sind – und man nur 10 Tage zur VErfügung hat. Der Mann auch, okay. Aber ich kenne einige, die ihre 10 Tage jetzt (!) schon aufgebraucht haben. Und dann genug, die sich nicht trauen, die Tage zu nehmen ,weil sie Angst um ihren Job haben (das ist kein Kündigungsgrund, aber Grund genug, nicht zu befördern, keine Gehaltserhöhung zu geben usw…). Ich kenne auch einige, die lieber einen Tag Urlaub einreichen, als die gessetzlich zustehenden 10 Tage aufzubrauchen.

    Aber ich sehe keine Lösung für diese Probleme! Eine tolerantere Gesellschaft? Bleibt wohl ein Wunschtraum…

    Ich bin froh, dass ichFreiberuflerin bin und zur Not einfach abends eine Extraschicht am PC einlegen kann, wenn meine Mäuse tagsüber krank sind. Mussi ch übrigens die nächsten Tage machen. Nicht weil die Kinder krank sind, sondern weil die Tagesmutter meines Kleinsten sich grad bis zum Ende der Woche krank gemeldet hat. Es wird Zeit, dass diese Schnupfensaison zu Ende geht!

    • Sonnenscheinbaby permalink

      Jeder Tag mehr ist ein Tag näher am Frühling. 😉 Danke für deinen Kommentar.

  3. Anne permalink

    Hi Nady,

    ich teile komplett Deine Meinung. Du weißt ja, ich bin in den neuen Bundesländern aufgewachsen und hier ist der Krippen- und Kita Aufbau wesentlich besser ausgebaut. Auch das Verständnis das beide Elternteile arbeiten ist völlig normal. Für mich klingt das so, als sei dieser Herr Dr. Grunert in der Zeit stecken geblieben, ganz nach dem Prinzip „Frauen an den Herd“ (Wenn der wüsste, wer bei uns zu Hause kocht 😉) und Muddi
    passt auf die Kinder auf.
    Die Arbeitgeber und die generelle Einstellung der deutschen kinderfeindlichen Gesellschaft ist in meinen Augen der springende Punkt.
    Die Gewinnmaximierung ist vielen Unternehmen leider wichtiger.
    Die Kitas trifft keine Schuld, sie retten den Eltern /Angestellten wahrscheinlich eher den Arbeitsplatz. Traurig aber wahr.

    GLG an das Grüffelo und seine kleine Schwester.

    Anne

    • Sonnenscheinbaby permalink

      :-* Das Grüffelo fragte schon wann du mal wieder kommst! 😉

  4. Ich finde die 10 „Kindkranktage“ auch viel zu knapp kalkuliert, da sollte es möglich sein mehr zu bekommen wenn man ein Attest vorweisen kann das, das Kind wirklich krank ist. Ich meine wer soll sich denn kümmern wenn die Kinder mal länger krank sind, wenn man keine weiteren Tage bekommt? Wäre die Lösung dann einfach gar nicht mehr zu arbeiten? Das mag ja für Eltern klappen die GERNE zu Hause bleiben wollen und das finanziell irgendwie wuppen können, aber es soll ja auch Eltern geben die GERNE arbeiten gehen. Spricht diesen der Professor dann einfach die Kinder ab? Oder wie wäre es mit (Sarkasmus) einer Kita für kranke Kinder. Betreut von Krankenschwestern. …

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