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Abschied nehmen

24. Januar 2014

Abschied nehmen kennt jeder. Egal ob man sich für eine kurze oder für eine längere Zeit verabschieden muss, es fällt einem nicht immer leicht. Ein Abschied für immer ist einer der schwersten! Ein Gedankenkarussell und ein Strudel der Gefühle machen es einem da wirklich nicht leicht. Warum ich dass hier schreibe? Weil wir uns gestern für immer von unserem Hund verabschieden mussten. Für manche nur ein Tier für uns ein Familienmitglied. Er war quasi das erste Baby von meinem Mann und mir. Wir waren noch nicht mal ein halbes Jahr zusammen als mein jetziger Mann mich fragte, ob wir uns nicht einen Hund anschaffen wollen. Erst war ich skeptisch, hatte so meine Bedenken. Aber um so mehr ich darüber nachdachte, gefiel mir der Gedanke. Und ihr kennt meinen Mann nicht…..wenn der etwas möchte, kann der sehr überzeugend sein. 😉 Schnell stand für uns auch die Rasse fest: ein Parson Jack Russel sollte es sein. In Bochum  fanden wir eine Züchterin die gerade Welpen hatte. „Nur gucken“….das war unser Vorhaben, als wir hingefahren sind. Ein Preislimit hatten wir uns auch gesetzt. Klar weder das eine, noch das andere hat geklappt. Wenn man so eine kleine Fellnase in den Händen hält und die dann auch noch in deinen Händen einschläft und schnarcht, dann bist du verliebt. BildBild

Im August, nach meinem damaligen Sylt Urlaub, durften wir ihn dann endlich mit nach Hause nehmen. Mein Mann wohnte zum damaligen Zeitpunkt quasi eh schon bei mir und so war das unsere kleine Familie.

Als wir auf die Insel gezogen sind waren Strand und Meer mit unserem Frodo Liebe auf den ersten Blick. Löcher buddeln, im Meer Fische suchen, für ihn gab es nichts schöneres. Er war immer etwas hyperaktiv, was für die Rasse auch normal ist. 8-10km joggen mit meinem Mann, kein Problem für ihn.

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Doch dann, begann der Verlauf einer Krankheit und ein nicht mehr endender Kreislauf. Er hatte eine Erbkrankheit an den Augen. Die erste Linsenluxation hatte er November/Dezember 2010, da war er 5 1/2 Jahre alt. Diese Krankheit tritt meist zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr auf. Es war ein Schock für uns. Von großer Operation, blind sein bis Auge entfernen war alles dabei. Bei der ersten Diagnose war es Gott sei dank noch nicht so schlimm. Die Linse fiel nach hinten d.h. sie blockierte den Augendruck nicht so stark und konnte dort bleiben. Also keine OP. Nur Augendruck senkende Tropfen und eine Einschränkung der Sehkraft, sollten sein Leben nicht so sehr einschränken. Und das 2. Auge war bis Dato nicht betroffen. Dann, April 2011, ich war im 9. Monat mit meinem Sohn schwanger, entzündete sich das Auge. So schlimm, dass der arme Kerl Fieber hatte, total apathisch  war und uns fast hops gegangen wäre. Ich musste nach Flensburg zum Tierarzt und er sagte uns klipp und klar, dass das Auge entfernt werden muss. Natürlich stimmten wir zu. Es war kurz vor Ostern und eigentlich wollten wir mit ihm zur Familie fahren. Auf dem Weg dort hin wollte wir ihn dann in Flensburg abholen. Aber unser Frodo war ein Kämpfer! Der Arzt rief schon viel eher an und sagte, dass er umbedingt zu uns nach Hause will und die OP gut verkraftet hat. Gott war ich froh wieder meinen kleinen Wusel im Arm und Daheim zu haben. Und hey, mit einem gesunden Auge kommt ein Hund nach kurzer Zeit auch prima klar.

Dann, Ende Juli oder Anfang August 2011 kam dann die Linsenluxation auch auf dem anderen Auge und dieses Mal noch schlimmer, denn die Linse viel nach vorne. Innerhalb von ein paar Stunden war das Auge fast weiss, weil sich die ganze Flüssigkeit dort staute. Das arme Tier musste Schmerzen ohne Ende gehabt haben. Wir mussten zu einem Spezialisten nach Hamburg. Ich betete dafür, dass wir ihn nicht einschläfern lassen müssen und dass das Auge irgendwie gerettet werden kann. Es konnte, mit Einschränkungen, gerettet werden. 4 Wochen später sollte dann noch die Netzhaut per Laser-Verfahren befestigt werden, damit die Sehkraft so gut wie möglich erhalten bleibt. Das Glück war nicht auf unserer Seite. 2 Tage vor OP Termin löste sich die Netzhaut ab. Damit war unser Hund so gut wie blind. Aber wie gesagt, unser Hund war ein Kämpfer. Du hast ihm das fast gar nicht angemerkt. Mülltonnen wurde ausgewichen, Bordsteine wurden problemlos bestiegen….wenn man es nicht besser wüsste, hätte man meinen können er sieht. Bei den Kontrollen in HH alle halbe Jahr war immer alles in Ordnung. Aber man merkte dann doch so langsam mit zunehmendem Alter, dass er nicht mehr so ganz der Alte war. Er wurde unsicherer, grad draussen wenn andere Hund kamen, war er sofort auf 180. Im Dezember letzen Jahres, dann eine neue Augenerkrankung. Die Hornhaut hatte einen Riss, der aber nicht durch äusserliche Ursachen verursacht wurde, sondern von alleine entsteht. Wenn man „Glück“ hat, dann heilt es von alleine. Was soll ich sagen, wir hatten nicht das Glück. Die Hornhaut wurde komplett entfernt und erneuert sich nach 8-10 Tagen wieder. Bei Frodo dauerte es etwas länger aber es heilte. Nur stellte sich bei den Kontrollen heraus, dass der Augendruck wieder gestiegen ist. Die Tropfen mussten nun 3 mal am Tag gegeben werden. Doch er veränderte sich immer mehr. Liess er es sich früher nicht nehmen mit uns auf der Couch zu liegen , zog er sich ins Körbchen zurück. Kam man in seine Nähe, knurrte er. Auch wenn man mit ihm raus wollte, weigerte er sich. Stellte man ihm früher das Essen hin, wurde es verdrückt, nun stänkerte er damit nur rum und rührte es teilweise den ganzen Tag nicht an.

In dieser Woche kam es dann zu einem Zwischenfall, der uns dann doch über den letzten Schritt nachdenken liess. Ich telefonierte mit unserer Tierärztin und auch sie sagte, dass es vielleicht nun doch ratsam wäre. Gott, für mich viel eine Welt zusammen. Ich weinte Mittwoch den ganzen Tag immer wieder. Wenn einem bewusst wird, dass das die letzten Stunden mit deinem geliebten Haustier sind, das zerfrisst dich. Vor deinem eigenen Kind musst du stark sein, was mir aber nicht immer gelang. Und als ob eine höhere Macht ihm diese letzten Stunden noch so schön wie möglich machen wollte, lag Schnee. So wie er das Meer liebte, so liebte er im Winter den Schnee! Mit meinem Sohn ging ich dann mit ihm in die Wiesen und ich liess die beiden spielen. Dabei machte ich noch ein paar Videos und Fotos.

Donnerstag war furchtbar! Man schaute immer auf die Uhr und zählte, wie viele Stunden man noch hatte. Wir gingen noch mal in den Schnee raus, er bekam seine Lieblingsleckerchen, schmusten ohne Ende, machten noch ein paar letzte Fotos. Unsere Tierärztin kam zu uns nach Hause, meinen Sohn hatte ich schon viel früher als sonst ins Bett gesteckt. Er sollte bloss nichts mitbekommen, genauso sollte Frodo nicht merken das ihm seine letzte Reise bevorstand. Ich brach immer wieder in Tränen aus und unsere Tierärztin fand noch viele tröstende Worte für uns. Das er wahrscheinlich dieses Jahr massive Probleme mit dem Auge bekommen hätte und man nun doch merkt, dass er nicht mehr so will. Und er mit uns eine tolle Familie hatte, denn nicht jeder wäre mit ihm und seiner Erkrankung einen so weiten Weg gegangen, hätte ihn schon viel eher aufgeben. Dann war es soweit, ich musste ihn festhalten und er bekam die Beruhigungsspritze. Das fand er nicht so toll und wehrte sich. Die Narkose wirkte schnell, er gähnte und man sah ihm an, dass er sich hinlegen wollte. Ich nahm ihn in den Arm, weinte immer wieder fürchterlich und redete mit ihm. Ich sagte ihm dass es mir leid tut und dass es ihm bald einfach besser gehen würde, dort oben im Regenbogenland. Er atmete 2 mal tief ein, und wurde sehr ruhig. Mein Mann stand neben mir und ich hätte ihn am liebsten auch in den Arm genommen. Sein Anblick brach mir noch einmal das Herz! Auf den Rest möchte ich nicht näher eingehen. Frodo merkte von all dem nichts und schlief ruhig in meinem Armen ein. Unsere Tierärztin hat das alles ganz toll gemacht auch wenn es schwer fällt, wussten wir dass es die richtige Entscheidung war. Wir bekommen ihn in einer Urne, denn seine letzte Ruhe wird er an dem Ort finden wo alles begann, unsere anfangs kleine Familie entstand.

Heute morgen wollte ich gar nicht aufstehen und dann kam sie, die gefürchtete Frage meines Sohnes: „Mama, wo ist Dodo?!“ Er wusste, das Frodo ein „Aua-Auge“ hat. „Gestern war noch ein Doktor da.“ erklärte ich ihm. „Der hat Frodo mit ins Regenbogenland genommen. Dort ist er wieder ganz gesund und deshalb will unser Frodobär jetzt da bleiben. Aber immer wenn du draussen einen Regenbogen siehst, dann grüsste er uns und will uns damit zeigen, dass er an uns denkt.“ Fürs erste war er damit zufrieden aber er fragte dann doch noch mal. Ich zeigte ihm draussen am strahlend blauen Himmel das dort oben jetzt Frodo im Regenbogenland ist und auf uns aufpasst. Er wollte wissen, wann er ihn wieder sehen kann um mit ihm zu spielen. Es viel mir schwer, nicht zu weinen und unter ein paar Tränen sagte ich ihm, dass das noch sehr lange dauern wird. „Mama, bissu taubisch wegen Dodo? Ja? Is auch!“ Ich hätte losheulen können wie ein Wasserfall aber ich konnte mich noch halbwegs zusammenreissen.

Warum ich das hier alles so detailliert aufschreibe? Ein bisschen für Euch und ganz viel für mich. Denn das hilft mir, diesen Verlust zu verarbeiten.

Wir vermissen dich Frodobär! Irgendwann sehen wir uns alle wieder.

* 01.06.2005- + 23.01.2014

Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren! – Johann Wolfgang von Goethe 

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From → Alltag

9 Kommentare
  1. Es tut mir so leid für euch und ich hoffe frodo geht es im regenbogenland jetzt gut.. ich habe auch schon abschied nehmen müssen von geliebten haustieren und weiss wie ihr euch fühlt.. du hast den eintrag sehr toll geschrieben und mir kamen beim lesen die tränen.. ich hoffe das die erinnerungen an die zeit mit ihm euch die trauer leichter macht..

  2. Ich habe gerade ganz schrecklich mitgelieweint. Das tut nur so leid und ich drücke euch hiermit virtuell.

  3. Es tut mir sehr leid. Ich weiß, wie du dich fühlst 😦

  4. Zum heulen ich habe ganz doll mitgeweint! Tut mir so leid! Wir mussten auch schon einen Hund gehen lassen.

  5. Ich wusste schon bei der Überschrift: mach es nicht, lies das nicht, du weinst wieder nur. Und doch musste ich diesen wundervollen Text lesen – wenn die Tränen sich nicht zu sehr vor die Augen geschoben haben. Meine Daisy musste ich vor nunmehr 3 Jahren gehen lassen. Und es tut heute noch genauso weh wie damals. Allein der Gedanke …. Irgendwann wird auch der Tag für Pedro kommen, aber er ist jetzt erst drei und da haben wir noch viele schöne Jahre.

    Im Regenbogenland ist Frodo gut aufgehoben und findet viele neue Freunde.

  6. Ein sehr schöner Text, der wahrscheinlich bei jeder Tierbesitzerin zu Tränen führt. Ich habe den Abschied von einem geliebten Tier auch schon mehrere Male durchstehen müssen. Ist immer gleich schrecklich. Aber ihr habt sicher das Richtige getan und eurem Hund weitere Schmerzen erspart. Das ist eigentlich der einzige Trost, den es in dieser Situation gibt.

  7. Auch mir erging es nicht anders, als ich Deinen hier Eintrag las. Schon bei der Überschrift hatte ich einen Kloß im Hals. Haustiere sind für mich wie Familienmitglieder und jeder Abschied für immer ist schwer. Ich weiß, du hast alles für ihn getan. Er war ein toller Hund und ich werde ihn auch schrecklich vermissen. Aber ich werde ihn nicht vergessen und all die schönen Erlebnisse, die ich mit ihm hatte.
    In unseren Herzen wird er immer da sein.

  8. Sonnenscheinbaby permalink

    Ich danke jedem einzelnen von Euch für die lieben Worte. Es fällt alles nach wie vor schwer und alles erinnert an ihn. Einerseits will man auch keine Erinnerung verlieren, andererseits fällt einem damit alles so schwer. ❤

  9. Ich lese deinen Eintrag erst heute, aber ich möchte dir gerne trotzdem noch tröstende Worte senden. Ich musste mich auch schon zweimal von geliebten Katzen verabschieden und ihnen über die Regenbogenbrücke helfen. Das war sehr schwer. Aber ich blieb damit meinem Vorsatz treu, mein geliebtes Tier, das auch für mich immer ein Familienmitglied und Freund war, nicht leiden zu lassen.
    Man selbst leidet sehr und vergießt ein Meer voll Tränen. Aber unsere geliebten Tiere bleiben für immer in unseren Herzen. Ich sende dir ein herzliches Aloha!

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