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Aktuelle Situation

8. Januar 2014

Gestern hatte ich doch überraschend bei unserer Hebamme am alten Ort, nämlich dem Gelände der Klinik, den 3. Teil des Geburtsvorbereitungskurses. Sie dürfe wohl bis Mitte des Monats noch die Räumlichkeiten nutzen, erklärte sie uns und trotz dem war es ein komisches Gefühl, denn eigentlich betritt man dieses Gelände nur mit Widerwillen. Was sich hier immer noch abspielt, macht einen traurig. Auch wie mit den Hebammen umgegangen wird und sich wohl auch ehemalige Kollegen verhalten. Aber klar, wenn es um den eigenen Arbeitgeber muckt keiner auf und so halten sich plötzlich alle sehr verhalten und bedeckt. Trotz all dem bekam man gestern vor Ort mit, was passiert, wenn „der Fall“ eintritt. Eine Schwanger hatte einen Blasensprung und kam in die Klinik. Dazu hat die „Insel-Liste Zukunft Sylt“ heute auf Facebook folgendes veröffentlicht:

So, formal seit 8 Tagen, faktisch aber seit 10 Tagen, ist unsere Insel nun ohne Geburtshilfe.

Statistisch gesehen hätte es in diese Zeit ca. 3 Geburten von Sylter Frauen geben müssen. 

Erschreckenderweise wissen wir, dass es seit dem 30.12. bei zwei Geburten zu Problemen wegen den bestehenden Einschränkungen gekommen ist:

Bereits am 30.12. wurde eine Schwangere per Hubschrauber ausgeflogen, obwohl auch eine Entbindungseinleitung auf Sylt noch möglich gewesen wäre und kein besonderes Risiko, das den Abtransport per Hubschrauber rechtfertigen würde, bestand. 

Gestern am 07.01. kam es aber nach uns übermittelten Berichten zu einer Situation, die aufzeigt, dass die jetzige Lösung nicht klappt. Eine Schwangere rief die gynäkologische Praxis in Westerland an weil sie einen Blasensprung mit Fruchtwasserverlust hatte. Ihr behandelnder Arzt verwieß sie in die Klinik mit dem Hinweis, der Gynäkologe wurde gleich vorbei kommen.

Dieser erschien aber erst nach etwa einer Stunde und betreute die Frau trotz begonnenem Geburtsprozess ohne Hebamme, obwohl selbst bei Notfällen eine gesetzliche Hinzuziehungspflicht besteht.

Nach einiger Zeit wurde die Verlegung der Schwangeren aufs Festland beschlossen und mit dem Rettungswagen durchgeführt. Die Schwangere wollte daraufhin in Niebüll in die Klinik, weil dort ihre Familie vor Ort gewesen wäre. Dieses wurde ihr verweigert mit dem Hinweis, die Verträge ließen nur einen Transport zur Diako in Flensburg zu, zu der sie dann auch gegen ihren Willen transportiert wurde.

Das wirft einen Haufen Fragen auf:

1. Wieso wurde eine Schwangere ohne Notwendigkeit ausgefolgen, als die Insel noch Geburthilfe hatte? Wollten die zuständigen Entscheider einfach nur Ruhe vor Silvester?

2. Auf welcher Vertragsbasis hat der Gynägologe in der Klinik überhaupt gehandelt? Waren beide Patientinnen als Notfälle einzustufen oder handelte es sich um reguläre, physiologische Geburtsverläufe? Und wieso hat der Gynäkologe trotz Kenntnis der gesetzlichen Hinzuziehungspflicht keine Hebamme benachrichtigt? Und wieso nimmt die Klinik den Gynäkologe, den sie selber als qualitativ mangelhaft bezeichnet hat doch wieder als Consiliararzt unter Vertrag? 

3. Welche Vertragsgrundlage schränkt die freie Entscheidung der Schwangeren auf Wahl des Entbindungsortes und des behandelnden Arztes ein? Bekommt die Diako von der Asklepios-Klinik Zahlungen für die Einweisung der Schwangeren oder umgekehrt? Ist es medizinisch, ethisch und standesrechtlich für den Gynäkologen überhaupt vertretbar, mit durch den Blasensprung begonnener Geburt die Schwangere ohne Begleitung durch eine Hebamme auf den Hindenburgdamm zu schicken?

Aber die wichtigste Frage ist:

Wenn schon in 10 Tagen zweimal etwas nicht rund läuft, wann wird es dann wohl einmal zum Supergau für Mutter und Kind kommen ??? 

In Pforzheim kam es nach Abweisung einer Schwangeren durch mehrere Kliniken im letzten Jahr sogar zu einem Todesfall, bei der Odysee, den unsere Sylter Gebärenden nun in Kauf nehmen müssen, ist so ein Schreckens-Szenario wohl nur noch eine Frage der Zeit … 

Hicham Lemssiah & Lars Schmidt (Insel-Liste zukunft.sylt) und Christian Thiessen (Piraten)

Und auch wenn man sich denkt, alles wird schon gut gehen, beginnt das Kopfkino jeden Tag von vorne. Ich merke, dass mir das alles nicht gut tut! Ich habe Angst! Angst, nicht die richtige Entscheidung zu treffen, mein ungeborenes Kind einer Gefahr auszusetzen, die nicht nötig wäre. 

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From → Alltag

4 Kommentare
  1. Da wird mir echt ganz anders, wenn ich das so lese. 😦 Die letzten Wochen bei deinen Eltern zu wohnen ist wahrscheinlich auch keine wirkliche Option, oder? Ich würde auch nicht ohne Mann sein wollen.

  2. Betty permalink

    Verstehe dein Kopfkino total. Ganz, ganz blöde Situation die ich niemandem wünsche. Die jetzt aber auf der Insel alle schwangeren haben. Zurück ins Mittelalter so sehe ich das. Kein Profit, kein Mitleid. Dann hört man leider immer wieder. Mein Bauch sagt, geh zeitig mit deinem Sohn aufs Festland zur Familie. Dein Mann wird es schon pünklich schaffen!! Aber du bist sicher. Du und dein Baby. Wenn es geht, mach das. Ich würde es tun. Trotz aller Abwägungen dagegen. Die Trennung von deinem Mann wäre ja nur auf Zeit 😦 Du weisst es selber, gerade diese Jahrezeit ist unberechenbar. Sturm, Schnee, Eis, alles so Dinge, die du total ungern in der Presse hören möchtest…Für deinen Sohn kann das ein Abenteuer werden. Wenn du zu deinen Eltern fährst komme ich dich auch gerne mal besuchen :-))) Drück dich!
    Betty

  3. es ist einfach unglaublich! Ich hoffe das sich etwas tut, gerade ist in Hinblick auf die Geburtshilfe doch viel in Bewegung. Ich denke oft an euch Insulaner.

    • Sonnenscheinbaby permalink

      Danke! Das hoffe ich auch aber im Moment sieht es so aus, das alles so bleibt. 😦

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